Die Eigenproduktion Schrit_tmacher Co-Laboration bietet seit 10 Jahren eine Plattform für choreografische und tänzerische Talente aus der Euregio und war Sprungbrett für zahlreiche Karrieren im Tanz. Über drei Monate kreieren vielversprechende Nachwuchschoreograf/innen Kurzstücke zu aktuellen Themen. Bei der neuen Ausgabe wird es erstmals einen Beitrag eines ostbelgischen Künstlers geben.
Ohne Sprache // 70 Min. // Jedes Alter
Die vier Bühnenstücke, produziert von Schrit_tmacher, ARTbewegt, Via Zuid und Chudosnik Sunergia, touren im März 2026 in allen Partnerländern des Festivals und werden im Entstehungsprozess durch das Huis voor de Künsten Limburg künstlerisch beraten.
Gefördert vom Small Project Fund „People to People“ Interreg Maas-Rhein (NL-BE-DE) und mit Unterstützung des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms Interreg Maas-Rhein (NL-BE-DE)
Luca Neumann: "Tussen huid en lens"
„Tussen huid en lens” ist eine rohe, ehrliche Auseinandersetzung mit dem Körper. Was ist ein Körper? Welche Bedeutung wird ihm zugeschrieben? Und wer bestimmt das? Aus ihrer Erfahrung als queere Person heraus untersucht Luca Neumann, wie ein Körper häufig von außen gelesen und bewertet wird. In dieser Live-Video-Performance nimmt Neumann eine andere Position ein: nicht betrachtet zu werden, sondern selbst das Bild zu bestimmen.
In das Kostüm integrierte Kameras erzeugen eine sich ständig verschiebende Perspektive. Die Kameras werden zu einer Verlängerung des Körpers. Nahaufnahmen von Haut, Gliedmaßen und kleinsten Details erscheinen vergrößert auf der Leinwand, während Atmung, Reibung und Spannung hörbar sind. Was gefilmt wird, ist unmittelbar sichtbar: Tanz und Video entstehen gleichzeitig und beeinflussen sich in Echtzeit. Der Körper erscheint dabei nicht als Objekt der Bewertung, sondern als etwas, das sich bewegt, verändert und sich nicht auf eine einzige Bedeutung reduzieren lässt.
Fotocredits: Alice Rinkens
Choreograf: Luca Neumann
Kostümdesign: Ilse Mostert
Technische Unterstützung: Thierry Wilders
Künstlerische Unterstützung: Boris de Klerk und Via Zuid.
Luca Neumann:
(2000, NL) ist ein queerer interdisziplinärer Künstler und Performer, dessen Arbeit sich zwischen Tanz, Video, Choreografie und Fotografie bewegt. 2022 schloss er sein Bachelorstudium an der Akademie für Popkultur ab, wo er seine Faszination für die Verschmelzung von bewegten Bildern und Tanz entdeckte. Im Jahr 2025 schloss Luca einen Master of Fine Arts in Lens-Based Media am Piet Zwart Instituut mit dem Schwerpunkt Screendance ab. Hier entwickelte Luca eine einzigartige Bildsprache, in der die Kamera nicht nur Zuschauerin, sondern aktive Teilnehmerin an der Choreografie ist. Lucas Arbeiten wurden unter anderem im Eye Filmmuseum Amsterdam, im WORM Rotterdam, beim Queer Theater Festival und im De Kraakkelder des Theater De Nieuwe Vorst gezeigt. Neben ihrer eigenständigen Tätigkeit arbeitet Luca als Fotograf für kulturelle Einrichtungen und gibt Tanzunterricht für Kinder. In all ihren Arbeiten untersucht Luca Körperlichkeit, Identität, Transformation und die Kraft der Bewegung innerhalb der visuellen Erzählung.
Luc „Skywalker” Arnoldussen: "NIF/Nothing is Free"
„Nothing Is Free” handelt vom unsichtbaren Preis menschlicher Kontakte: emotional, körperlich und energetisch. Dieser Preis verschwindet nicht einfach, sondern bleibt oft noch lange in unserem Körper präsent. Manche Begegnungen geben uns Kraft, andere kosten uns Energie. Viele Erfahrungen bleiben unbemerkt in unserer Haltung, unserem Rhythmus und der Art, wie wir uns bewegen, präsent.
Der Choreograf Luc Arnoldussen arbeitet mit fünf Tänzer:innen aus verschiedenen Tanzstilen wie HipHop, zeitgenössischem Tanz, Ballett und Jazz. Mit ihrer eigenen Art sich zu bewegen, zeigen sie, wie Kontakt zwischen Menschen Spannung, Verbindung und Unterschiede schaffen kann.
Die Aufführung lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir selbst mit Aufmerksamkeit, Präsenz und Verbundenheit umgehen. Durch die verschiedenen Tanzstile und die gemeinsame Energie der Tänzer*innen wird die Aufführung zu einer künstlerischen Erkundung und einem erkennbaren Spiegel menschlicher Beziehungen. Sie zeigt, dass jede Begegnung, wie kurz sie auch sein mag, Spuren hinterlässt.
Fotocredits: Luc Arnoldussen
Choreograf: Luc Arnoldussen
Tänzer:
Clara Rothkamp
Alissa Cretaz
Dionysus Katrin Weber
Leonie Silvana Heuer
Merel Evers
Luc „Skywalker“ Arnoldussen:
ist ein professioneller Tänzer und Bewegungskünstler, der seine Wurzeln in der Hip-Hop-Kultur hat. Er ist Mitglied des Heerlener Kollektivs HFC, das die lokale Hip-Hop-Szene stärkt und Generationen von Tänzern miteinander verbindet, sowie der Mighty Zulu Kings. Er nimmt an internationalen Breaking-Wettbewerben teil und ist zunehmend in der Theaterszene aktiv, wo er in Produktionen wie „It Was All a Dream” und „CoLab 2025” beim Schrittmacher Festival auftritt. Seine Arbeit verbindet Tanz, Storytelling und persönliche Entwicklung.
Nadja Thumm: "Elongation Of An Eternity"
Die Schönheit eines Moments erschließt sich manchmal erst im Rückblick. Erst in der Erinnerung wird sichtbar, was im Erleben selbst kaum fassbar war. „Elongation of an Eternity” thematisiert die Sehnsucht, vergangene Augenblicke noch einmal erleben zu dürfen, sie festzuhalten und endlos werden zu lassen – trotz der objektiven Unendlichkeit, an der wir Menschen teilhaben.
Zwischen Vergänglichkeit und dem Wunsch nach Beständigkeit, zwischen Schwere und Leichtigkeit begeben sich die Individuen auf die Suche nach Versöhnung mit dem erlebten Moment. Die gemeinsame Gruppe fungiert dabei als ein sich ständig neu formierender Bezugspunkt, in dem Nähe und Distanz, Synchronität und Eigenständigkeit verhandelt werden.
Die Aachener Choreografin Nadja Thumm und fünf deutsche und niederländische Nachwuchstalente aus den Bereichen zeitgenössischer Tanz, HipHop und Ballett erforscht in dem Stück den fragilen Wunsch nach Unendlichkeit. Sie verkörpern diese Spannungsfelder durch ihre individuellen Bewegungssprachen.
Fotocredits: Nadja Thumm
Choreograf: Nadja Thumm
Tänzer:
Nina Müller-Späth
Emilia Thea Alexandre Schirrmeister
Lucie Mackewicz
Johanna Giebel
Jara Jasmijn Hamans
Nadja Thumm:
ist Tanzpädagogin, Choreografin und Tänzerin. Die gebürtige Aachenerin studierte Bühnentanz an der Palucca Hochschule in Dresden unter der Leitung von Jason Beechey und absolvierte dort das Nachwuchsförderstudium. Seit 2020 arbeitet sie als staatlich anerkannte Tanzpädagogin (Abschluss im Tanzzentrum NRW in Bielefeld) in und um Aachen. Sie unterrichtet Klassisches Ballett und Zeitgenössischen Tanz für alle Altersstufen und Level. Seit 2024 ist sie in der freien Tanzszene Aachens aktiv. Als Tänzerin ist sie Teil des KollektivART des Tanznetzwerks ARTbewegt. Mit „ZYKLEN“, ein Stück über den weiblichen Zyklus, feierte sie 2025 ihr Debüt als Bühnenchoreografin und Produzentin.
Marc Schürmann: "Inertia"
Trägheit – das stille Beharren der Körper im Zustand der Bewegung – bildet den Ausgangspunkt des Tanzstücks „Inertia“ von Marc Schürmann. Aus einem physikalischen Prinzip wird eine choreografische Reise, in der Körper, Raum und Klang miteinander verschmelzen und unsichtbare Energie sichtbar machen.
„Inertia“ erzählt von Verbundenheit. Körper und Objekte existieren nicht für sich allein, sondern sind Teil eines größeren Ganzen. Masse, Schwingung und Kraft erzeugen Wellen, die Raum und Zeit verändern. Im Zusammenspiel entfaltet sich eine transformative Kraft, die verbindet, berührt und bewegt.
Elektronische Musik – Drum and Bass, Trip Hop, Breakbeat – bildet dabei die Grundlage, auf der die vier Tänzer*innen aus Deutschland und Belgien einen Raum erschaffen, ihn mit Energie füllen und diese sichtbar, formbar und erfahrbar machen.
Das Stück lädt dazu ein, die Energien wahrzunehmen, die uns umgeben und durch uns hindurchfließen. Es macht erfahrbar, wie Bewegung Gemeinschaft stiftet und wie Klang, Körper und Raum gemeinsam eine Sprache finden – eine Sprache, die nicht erklärt, sondern erlebt wird.
Fotocredits: Marc Schürmann
Choreograf: Marc Schürmann
Dancers:
Michi Schneider
Blanka Rucinska
Juliane Ott
Elodie Meyer
Marc Schürmann:
ist professioneller Tänzer aus Belgien. 5 Jahre lang wohnte, trainierte und arbeitete er als Tänzer in Nizza. Als Schüler lernte er an der Tanzhochschule „Offjazz“ von Lehrern und Choreographen wie Angelo Monaco, Gianin Loringett und Marie-Pierre Genovese. Als Tänzer arbeitete er an der Oper in Nizza sowie mit verschiedenen Choreographen aus der Region, u.a. Yves Freva und Serge Manguette. Nun ist er zurück in seiner Heimat, wo er mit Hilfe einer Weiterbildung zum Tanzpädagogen die in Nizza erlernten Stile verbreitet und weiterentwickelt. Neben seiner Ausbildung in Jazz, Klassisch und Zeitgenössischem Tanz experimentiert er mit der Umsetzung dieser Stile im Zusammenspiel mit aktueller elektronischer Musik. In seinen Choreografien bedient er sich verschiedener Improvisationsmethoden, in denen die Grundtechniken zu seiner eigenen Bewegungssprache verschmelzen.
Praktisches
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Anfahrt
Veranstalter
Chudoscnik Sunergia in Kooperation mit dem schrit_tmacher Festival
Einlass
19:00
Aufführungsbeginn: 20:00Eintritt
Es sind noch Restkarten an der Tageskasse erhältlich.
Vollpreis: 12 Euro
Reduziert (mit Sunergia Kulturkarte, Sozialtarif): 8 Euro
Aufführungen
Co-Lab official